18 agosto 2008

Endlich wieder... - zuhause?

ZUHAUSE! Was ist überhaupt ein Zuhause? Ein Ort der Geborgenheit? Der Geburtsort?
Der Ort mit den meisten Erinnerungen vergangner Zeiten? Dort, wo alle Freunde sind?
Es ist schwierig zu sagen.

Wir freuten uns schon ewig auf unsere 3 Wochen Paraguay: Endlich wieder liebgewonnene Freunde umarmen - sich austauschen, wie es einem so erging, in den vergangenen eineinhalb Jahren.
Sich auch richtig verabschieden. Einen Schlußstrich unter "Paraguay - Episode 1" ziehen, gehörte auch auf meine Liste. Und zwar ganz nach oben! Wir hofften ja, innerhalb von 3 Monaten wieder im warmen Paraguay zu sein. Tja, es klappt nicht immer alles nach Plan...
Aber das ist ja auch eines unserer Leitmottos: Man kann nicht alles planen!
Wenn man das eingesehen hat, lebt es sich auch einfacher. Das haben wir aber auch erst gelernt während unseren 9-monatigem "Leben" in Südamerika.

Und das sollte uns auch diesmal weiterhelfen.

Am Samstag kamen wir also in Asuncion an. Alles war so, als wären wir nie weggewesen:
Die selben Chaoten am Flughafen, unser Stammhotel, der Parkplatzwächter am Superseis - alles wie immer. Zuhause? - Nicht ganz.
Das Urlaubsfeeling kommt aber auch nicht auf - denn: Alles ist wie immer. Aber Zuhause?
Im Gedanken beginne ich zu vergleichen. Unsere Wohnung in Schnaittach - unser WoMo hier; Grüne Hügel, Felsen und Wälder in Deutschland - hier: Freiheit, Leben, kein Sklave des Staates. Freunde? Ja - hier und dort.
Komisch - irgendwas stimt nicht. Ich bin verwirrt.

Egal. Unser Plan stand: Das Auto mehr oder weniger gangbar machen, dann ab in den Chaco und das Auto in einer Mennowerkstatt grundüberholen lassen.
Gut - vom Hotel bis Kilometer 17,5, hinterlaufen zum Bethel und - jippiejuhee! - unsern Landy begrüßen. Er stand da wie vorher. Nur sah er auf Google Earth irgendwie besser aus...
er wollte auch anspringen, aber irgendwie schmollte er mit uns.

Die liebe Bethel-Garten-Conny wußte Rat. Eike gab uns die Nummer eines paraguayischen Bruders, der auch etwas deutsch sprechen sollte. Seine Oma war Deutsche erzählte er uns und er kam auch schnell wieder rein in die deutshe Sprache. Das war super hilfreich, denn unser Spanisch ist noch genauso schlecht wie vorher - alles wie immer eben. :)
Roberto - der liebe Autobruder - schleppte uns zu seiner "Werkstatt" um die Ecke, sah sich den Landy an und meinte, mit einem neuen Filter und ein paar neuen Schläuchen hier und da, läuft er morgen wieder. Wir können morgen los.

Gut. Also vor zum Superseis, Abendessen und ab ins Stammhotel - Schlaf nachholen. Am nächsten Tag, Bus, Kilometer 19. Wir holen unser Auto - jippie!
Na ja - denkste! Roberto meinte, der Landy fährt super - aber der Tank läuft aus... Zu viel für den weiten Weg nach Buenos Aires. Er muß alles ausbauen. Mucho trabajo! Mucho tiempo!
Mist! Wir müssen - man denkt ja in deutschen Zeitangaben - doch noch alle besuchen. Wollen in den Chaco, zu Goldies, zur Meli... Zu viel Zeitverlust, wenn wir in ASU warten!Gut, wir müssen improvisieren: Erste Idee: Wir fahren mit dem Bus zu Goldies, kommen wieder, holen das Auto, fahren in den Chaco und dann zur Meli. Zweite Idee: Wir fahren zu Goldies, weiter in den Chaco, alles mit Bus und dann... Klappt nicht, sagt unser Bauch!
Die Idee! Wir holen heute Bustickets für morgen früh zur Meli, dann bleiben wir dort 3 Tage und dann in den Chaco unsere zurückgelassenen Sachen holen, auch 3 Tage, aber mit Auto.
Gut! Wir gehen ins Internet, sagen Meli Bescheid, wir kommen morgen, sind abends da.
Ab zum Terminal. Wir haben die Tickets. Zum Hotel. Schlafen.

Am Mittwoch begann unsere "Abschiedstour". Fünfeinhalb Stunden brauchts in den Süden, nach Hohenau, zur Meli. Um halb 9 kamen wir an. Meli war super überrascht, hat sich riesig gefreut und wir waren endlich - tja, zuhause? Nö, aber unter vertrauten Gesichtern, die einem sehr viel bedeuten und man weiß, man versteht sich, weil man die selbe Basis hat.
Sogar Marco kam uns besuchen, mit Giuseppe. Riesen Freude!
5 Tage sind wie im Flug vergangen, die "tranquillo"-Einstellung kam nach 4 Tagen Paraguay auch wieder.
Das bedeutet umplanen!
Roberto hat uns in der Zwischenzeit auch ausfindig gemacht - wieder was kaputt! Tank saugt Luft, er muß ne neue Pumpe einbauen - Mucho trabajo, mucho tiempo!
Also gings am Montag erstmal zurück nach ASU. Roberto braucht Zeit, wir haben keine.
Gut, wir planen um. Goldies schaffen wir leider nicht. :( Aber wir wissen, sie verstehen es.

Also nicht mit dem Auto in den Chaco, sondern weiter mit dem Bus. Also Tickets besorgt. Morgen gehts ab in den Chaco. Aber erst... una noche Stammhotel.
Es wurde Abend und es wurde Morgen, ein nächster Tag - falsches Buch.
6 Stunden Richtung Norden und schon ist man auf dem "Staubplaneten", Chaco, PY.

Zuhause? Naja... Unser damaliges Zuhause ist verkauft, Hölles haben ein Haus, Ginters und Jackes sind nicht da. Vieles ist anders geworden.
Aber liebe vertraute Freunde, die einem alles bedeuten. Man redet und alles ist wie früher.
Es ist aber nicht mehr Zuhause, es ist anders. Ich bin verwirrt!

Wir haben leider nur zwei Tage. Viel zu kurz für alle lieben Gesichter.
Aber Roberto hat uns auch im Norden gefunden - er baut grad unser Getriebe aus, die Kupplung hats geschossen.
Einmal Chacodienst und Versammlung und wieder im Bus - 6 Stunden - ASU.
Alles fliegt vorbei wie im Traum.
Roberto arbeitete sehr gut, und auch deutsch, von der Arbeitsmoral her, super! Am Samstag kommen noch andere Brüder dazwischen, deren Auto Feuer fing. Roberto hetzte regelrecht von einem Auto unters andere und zurück.
Endlich, am Samstag - der Landy fährt!
Robertos Abschlußworte: "Wenn du Feuer hast - komm nicht zurück!"
Er hatte wirklich sehr viel Arbeit und seinen Urlaub redlich verdient.

Der Sonntag erwieß sich als guter Tag um durch ASU zu kommen - keine nervigen Kontrollen, kein Polizist weit und breit - klasse. Auch kein wichtiger Militär-Hans vor der Grenze, klasse!
Der Sonntag erwieß sich auch als guter Tag an der Grenze. Dort saß irgendein unwichtiger Lehrling, der nicht mal die Papiere fürs Auto haben wollte, die normal immer abgegeben und abgeheftet werden müssen.
Da waren wir also raus aus Paraguay - mit Papieren die über ein Jahr abgelaufen waren. Einfach so. Schwub und schon ist Argentinien.
Die Dame war - wie Damen in Uniformen nunmal sind - völlig spaßfrei, aber blieb freundlich.
Sie wollte Papiere fürs Auto sehen. Wir: "Welche Papiere?" Die für Argentinien eben, als wir das letzte Mal im Land waren! Wir: "Abgegeben, vor Bolivien." Ach so, meinte sie. Dann kam noch ein kurzer Abfragetest: Wie oft im Land und wie lang jeweils? "Beim 1.Mal 2 Tage, beim 2. Mal zweieinhalb Wochen". Sie verleicht die Aussagen mit den gespeicherten Angaben im Computer. Stimmt.
Der Kollege füllt das argentinische Autopapier aus und entschuldigt sich zum Schluß noch per Handschlag für die lange Wartezeit. "Passt scho" meinen wir. Strike!!

1500 Kilometer bis Buenos Aires.
Nach einer Nacht in nem Hotel und einer Nacht im Auto zwischen Flöhen und Staub waren wir auch schon in

Buenos Aires. Eine recht europäische Stadt, die ... naja, wie ist Bs.As.?... groß!
Hätte man ein Jahr Zeit, würde man bestimmt alle schönen Ecken sehen. Aber in 4 Tagen?
Was mir an Bs.As hängen blieb: Geordnetes Chaos, Stress, keine frische Luft - nur Abgase beim lüften. Ein super witziges Hotel, und San Telmo - ein genialer Stadtteil!
Das Auto in den Container bringen klappte gut. ( Vielleicht schreibt Andy noch was drüber.)
Am Samstag war es dann soweit - Es ging... ähm... nach Hause? Wir saßen gefühllos im Flieger, und - schwub - ist man am nächsten Tag in Frankfurt.
Deeo und Sarah holten uns ab. (Total lieb von euch - SCHMATZ!)
Und da waren wir wieder in unserem Heim in Schnaittach.


Heute war ich lustwandeln im fränkischen Wald. Entlang am Felsen - über Moos, über Leitern, zur schönen Aussichtsplattform, wieder den Felsen runter, durch schöne Bäume, das Grün, die Ruhe, die Geborgenheit! Ehrlich gesagt, stell ich mir so das Paradies vor.
Also bin ih hier doch zuhause?
Kann ich hier zuhause sein, während ich weiß, dass in PY dringend deutschsprachige Hilfe benötigt wird?
Kann ich hier "ankommen", während ich weiß, dass sich in PY der Willusch, die Christl, die Jackes und viele andere Brüder die das Werk planen, ein Loch in den Bauch freuen, über jede Hilfe die nach PY kommt?

Vielleicht kann man es. Wir können es nicht.
Zuhause ist dort, wo Jehova es will.